Sault-Brenaz 2026
geschrieben von Moritz
Der Wildwasserpark im französischen Sault-Brenaz bietet Paddelnden aus ganz Europa die Möglichkeit, nach dem Frühjahr wieder in Form zu kommen. Morgens plätschert der “Espace au Vive” noch ganz friedlich die Isle de Serre hinab. Doch sobald die ersten Sonnenstrahlen auf das Gelände des “Wildwasserparks” (so die wörtliche Übersetzung) treffen, passiert etwas. Die Parkleiterin öffnet das Schott und dreht damit buchstäblich den Hahn auf. Binnen zehn Minuten hat sich die 600 Meter lange Strecke gefüllt und in einen kräftig sprudelnden Wildbach verwandelt. Und dann dauert es auch nicht lange, und die ersten Paddler und Paddlerinnen greifen sich ihre Boote, die sie am Vorabend bequem direkt an der Wiese neben der Strecke abgelegt haben, schütteln die Müdigkeit aus den Knochen und starten ihren Tag auf dem Wasser. Erst um 19 Uhr wird der Hahn wieder zugedreht. Genug Zeit, sich beim Paddeln, in der Walze Spielen und Kehrwasserkreiseln zu verausgaben. Rund 160 Paddelnde aus Deutschland, Frankreich, der Schweiz, Tschechien,
Belgien und anderen europäischen Ländern verbringen in diesem Jahr die Ostertage an dem Slalompark an der Rhone, rund 40 Minuten östlich von Lyon. Darunter ist auch eine vierköpfige Gruppe vom Paddel-Club Köln. Perfektes Wetter ist angekündigt mit Temperaturen bis 25 Grad am Ostersonntag. Diese Aussicht tröstet uns auch über die erste, noch sehr frostige Nacht hinweg. Zum Glück hat der paddelnde Mensch immer reichlich Fleece dabei.
Champions League in Lyon
Besonderes Highlight am ersten Abend ist noch der Abstecher nach Lyon: Zufällig findet am Tag der Anreise das Rückspiel der Frauen-Champions-League zwischen dem VfL Wolfsburg und Olympique Lyon statt. Das Spiel ist weit davon entfernt, ausverkauft zu sein. Und so stärken wir dem spärlichen Dutzend angereister Wolfsburg Fans den Rücken, wenn auch vergebens. Trotz großem Kampf müssen sich die Wölfinnen den drückend überlegenen Französinnen mit 4-0 nach Verlängerung geschlagen geben. Ein schöner Ausflug an den Rand von Frankreichs drittgrößter Stand war es dennoch. Aber wir sind ja nicht gekommen, um anderen beim Sport zuzusehen. Wir wollen selber Gas geben. So geht es am nächsten Morgen direkt nach dem Frühstück auch schon ab aufs Wasser. Die sehr naturnah gebaute Strecke des Espace au Vive bietet für Einsteiger, Anfänger und Fortgeschrittene diverse Möglichkeiten, sich wieder mit dem nassen Element vertraut zu machen und Routine in die Bewegungsabläufe zu bekommen.
Einsteigerfreundliche Slalomstrecke
Insbesondere Paddelnde ohne viel Wildwassererfahrung finden im unteren Drittel der Strecke genug Platz, entspannt ihre ersten Kehrwässer zu fahren. Da macht selbst der ein oder andere unvermeidliche Schwimmer nichts. Auch ohne Hilfe kommt man jederzeit problemlos aus dem Bach. Dabei muss man auch nicht fürchten, dass es einen erstmal in eine Waschmaschine reinzieht. Selbst kleine Kanusportler:innen können hier befreit und mit Spaß am kühlen Nass lospaddeln. Der obere Abschnitt ist hingegen perfekt, um an der Technik zu feilen. Eine sehr natürlich gesetzte Verblockung und viele S-Kurven bieten Kehrwässer satt. Ganz ohne mühsame Schlepperei kann man die Strecke von Kehrwasser zu Kehrwasser
immer wieder runter und rauffahren. Wichtigste Devise: Rücksicht aufeinander nehmen. Wenn eine komplette belgische Slalommannschaft im Trainingsmodus ran rauscht, sucht man sich halt mal ein anderes Kehrwasser, bevor es zu voll wird. Auch Spielbootfahrer kommen hier voll auf ihre Kosten und können Sault-Brenaz, wenn gewollt, problemlos senkrecht befahren. Wellen und Walzen gibt es reichlich, im Gegensatz zu vielen anderen Strecken sind die Kehrwässer groß genug, dass auch ein Dutzend Boote Platz darin finden und eine Warteschlange bilden.
Paddeln bis zum Sonnenuntergang
Zur Sache geht es im Mittelabschnitt: Hier können ambitionierte Paddler an kräftigen Stufen und einem verwinkelten Abfall den Boofschlag perfektionieren und dicke Walzen abreiten, bis die Arme abfallen. Perfekt, um sich für das anstehende Frühjahr in Form zu bringen. Zur Belohnung warten am Ende der Kernstelle zwei perfekte Surfwellen, auf denen man nach einem langen Tag herrlich in den Sonnenuntergang reiten kann.